Kaiser Friedrich II. (1194-1250)
Kaiser Friedrich II. (1194-1250)

Historischer Rahmen

 

Heftet man sich an die Fersen des mutmaßlichen Erbauers der Burg Blankenhorn, den edelfreien Ritter Heinrich von Neuffen, landet man mit einem Schlag mitten in der Weltpolitik des Hochmittelalters:

Wir schreiben das Jahr 1211: Der deutsche Kaiser und König Otto VI. aus dem Hause der Welfen zieht sich mit seiner Politik den Unmut des Papstes Innozenz III.zu.

Mit seiner Unterstützung und auf sein Drängen hin wählt der deutsche Fürstentag im September 1211 den Staufer Friedrich II., einen 15-jährigen Enkel Friedrich Barbarossas, zum Gegenkönig und künftigen Kaiser, allerdings nicht ohne sich vorher von ihm immense Privilegien und hohe Unabhängigkeit zusichern zu lassen.

 

Der charismatische Friedrich (1194-1250), mit 2 Jahren schon zum sizilianischen und deutschen König gekrönt, ist in Apulien ohne Eltern als Mündel des Papstes aufgewachsen.

Er gilt später als einer der größten, in der Geschichtsauffassung aber auch widersprüchlisten Herrscher der Geschichte, spricht 7(!!) Sprachen, verfaßt mehrere Bücher und ist hochintelligent . Durch sein großes Interesse an Naturwissenschaften schreckt er auch nicht davor zurück, die Grundwerte der katholischen Kirche in Frage zu stellen! Schon zu Lebzeiten bekommt er den Beinamen „Stupor mundi“ (=das Staunen der Welt). Sein Buch über die Falknerei gehört heute noch zu den Standardwerken auf diesem Gebiet.

Der unbändigen Neugier auf alles Unbekannte und Neue steht ein konsequenter Rationalismus und eine oft zügellose Brutalität gegenüber, welche immer wieder die Handlungen Friedrichs bestimmen.In Sizilien baut der Kaiser bis zu seinem Tod gegen alle Widerstände einen modernen, aber tyrannischen Ministerialstaat auf, in Deutschland ist dies durch die starke Position der Reichsfürsten aber undenkbar.

 

Um eine sichere Reise durch das keineswegs deutsch- und stauferfreundliche Italien und über die Alpen zu gewährleisten, schickt der Fürstentag 2 schwäbische Ritter nach Apulien mit dem Auftrag, den zukünftigen Kaiser sicher nach Deutschland zu geleiten: Anselm von Justingen und Heinrich von Neuffen.

Nach der Ankunft in Süddeutschland 1212 sichert sich Friedrich II. die Treue seiner Begleiter durch mehrere Schenkungen. Zum Beispiel erhält Heinrich v. Neuffen die Marktgerechtigkeit für Winnenden, d.h. das Recht zur Stadtbefestigung. Höchstwahrscheinlich erhält er in diesem Zuge auch das staufische Allodialgut im Zabergäu (das Gebiet umfaßte die heutigen Ortschaften Güglingen, Pfaffenhofen, Eibensbach, Ochsenbach und Spielberg) mit Zentrum Güglingen als Besitz. Durch dieses Gebiet verläuft zur damaligen Zeit eine wichtige Handelsstraße, die sogenannte Rote Straße von Cannstatt nach Speyer, sie bietet also eine gute Einnahmequelle durch das Geleitrecht des Grundherrn.

Der neue König holt 1216 seinen 4-jährigen Sohn Heinrich aus dem fernen Sizilien nach Deutschland und macht ihn zum Herzog von Schwaben und 1218 zum Rektor von Burgund, 1220 gar zum deutschen König!

 

 In die moderne Geschichtsschreibung geht er als Heinrich (VII.) ein; die Klammern dienen zur Unterscheidung mit  Heinrich von Luxemburg, der sich selbst seit seiner Kaiserkrönung  1312 Heinrich VII. nannte!

In den folgenden Jahrhunderten geriet Heinrich (VII.) völlig in Vergessenheit, spätere Einschätzungen sprachen ihm sämtliche Fähigkeiten eines Königs ab und beschrieben ihn sogar als verbrecherisch und sittenlos!

 Er selbst sah das freilich ganz anders!

 

Als Friedrich II. 1220 nach Rom aufbricht, um sich zum Kaiser krönen zu lassen, läßt er seinen Sohn in der Obhut mehrerer Fürsten und Ministerialen, die sich um seine Erziehung und in Vertretung um die Reichsgeschäfte kümmern sollen. Deutschen Boden wird der Kaiser erst 15 Jahre später wieder betreten.

Als offizieller Vormund wird  Engelbert von Berg, der Erzbischof von Köln eingesetzt, nach seiner Ermordung 1225 übernimmt ab Mitte 1226 Herzog Ludwig I. von Bayern das Amt des Regenten.

  

Einer der Erzieher ist- Heinrich von Neuffen! wie wichtig diese Aufgabe war, zeigt eine Urkunde des Papstes, der ihn für die Zeit der Vormundschaft von seinem Kreuzzugsgelübde freispricht.

Der Neuffer ist sicherlich eine gute Wahl. Der Ritter, selbst mehrfacher Vater, ist für damalige Verhältnisse ein sehr gebildeter Mann, er kann lesen und schreiben, spricht lateinisch und französisch. Auch werden mehrmals sein vornehmes Wesen und seine Umgangsformen explizit erwähnt.

 

Zusätzlich wird Heinrich von Neuffen 1220 Regent von Schwaben, dem Stammland der Staufer. Da er während seiner Amtszeit aber harte Maßnahmen gegen kaisertreue Adlige durchsetzt, wird er 1221 vom Kaiser seiner Ämter enthoben und durch seinen Schwiegersohn Konrad Schenk von Winterstetten ersetzt.

 

Heinrich bleibt aber während der gesamten Regierungszeit des jungen Königs ein enger Berater und treuer Diener, sein 2. Sohn Gottfried von Neuffen gilt sogar als einer der engeren Freunde des Monarchen!

 

1228-29 nimmt der Neuffer zusammen mit seinen Brüdern am 4. Kreuzzug nach Jerusalem teil. Da Kaiser Friedrich II. sich danach aber mehr um seine italienischen Angelegenheiten kümmert und auch gegen den Papst militärisch vorgeht, begibt sich der Schwabe enttäuscht zurück in seine Heimat; seine Hoffnung auf einen starken Kaiser auf deutschem Boden hat sich zerschlagen!

Als der junge König Heinrich (VII.) 1229 die alleinige Regentschaft übernimmt und eine (eigentlich typisch staufische) Politik betreibt, die sich auf die Treue starker Reichsstädte und des niederen Adels stützt, er gleichzeitig aber den Einfluß der Reichsfürsten zu verringern versucht, gerät er mehr und mehr in direkten Konflikt mit seinem übermächtigen Vater, Kaiser Friedrich II.

Als der die Machtbefugnisse seines Sohnes auf Druck und zu Gunsten der Reichsfürsten beschneiden muß (1231:“Statutum in favorem principum“), wird die Konfrontation unausweichlich.

Auf dem Hoftag von Aquileia am 02. April 1232 trifft Heinrich (VII.) zum ersten Mal seit 12 Jahren wieder seinen Vater. Friedrich II. demütigt seinen Sohn durch starke Einschränkungen seiner Macht und den Eid auf bedingungslosen Gehorsam und schickt den jungen König gekränkt nach Deutschland zurück.

 

Das Siegel König Heinrichs (VII:)
Das Siegel König Heinrichs (VII:)

Ab diesem Zeitpunkt verfolgt Heinrich (VII.) mehr oder weniger offen eine Politik, die in direktem Widerspruch mit den Vorstellungen der Reichsfürsten und somit des Kaisers stehen und versucht, seine Kräfte zu bündeln und Anhänger um sich zu scharen.

Erst im September 1234 entscheidet sich Heinrich, seinem Vater offen entgegen zu treten und beschließt auf dem Hoftag in Boppard die berühmt gewordene Empörung gegen Friedrich II. Unter Anderem schließt er einen Vertrag mit den Städten der Lombardei, um die Paßwege über die Alpen zu kontrollieren und ggf. zu blockieren.

Eigentlich ein logischer Schritt des Königs, um die Reichsgrenzen zu schützen, für den Kaiser bedeutet dieses Bündnis mit den staufischen Erzfeinden aber glatter Hochverrat seines Sohnes!

Heinrich von Neuffen tritt in dieser Zeit immer wieder als Heerführer in Erscheinung, so belagert und zerstört er im Auftrag des Königs die Burgen der kaisertreuen Herren von Hohenlohe und brennt „mit großer Härte“ das Kloster Backnang nieder. Seinen großen Auftritt in der Politik hat der Neuffer, als er als Abgesandter des Königs Bündnisverhandlungen mit Frankreich beginnt, die aber ohne Erfolg bleiben.

Als Friedrich II. im Juni 1235 nur mit kleinem Gefolge deutschen Boden betritt, wenden sich die meisten Fürsten und Städte von Heinrich (VII.) ab und unterstützen den Kaiser.

Nur ein kleiner, dem König treu ergebener Rest stellt sich den kaiserlichen Truppen entgegen; einer der Anführer: Heinrich von Neuffen!

Am 21. Juni 1235 kommt es zur entscheidenden Schlacht im Swiggerstal (heute das Ermsttal), die königstreuen Truppen unterliegen und Heinrich und sein Sohn Gottfried von Neuffen werden gefangen genommen .

Völlig entmutigt unterwirft sich daraufhin der junge Heinrich (VII.) am 02. Juli auf dem Hoftag in Wimpfen seinem Vater.

Friedrich ignoriert diesen zuerst und läßt ihn verhaften. Erst 2 Tage später in Worms bezichtigt er seinen Sohn des Hochverrats und befiehlt, ihn in Ketten nach Italien zu schaffen.

Nachfolger Heinrichs auf dem deutschen Thron wird sein Halbbruder Konrad IV.

 

Heinrich(VII.) stirbt am 10.02. 1242, noch immer inhaftiert, in Kalabrien, höchstwahrscheinlich durch Selbstmord.

Neueste Forschungen (Obduktion des Skeletts des Königs 1998) zeigen, daß der ehemalige König schwer an Lepra erkrankt war und eine denkbare Begnadigung des Kaisers somit unmöglich wurde.

©2013/Stefan Weber

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